Roboter hautnah, Forschung auf Spitzenniveau und Europa im Blick – Auf KI-Tour in Baden-Württemberg

Was kann Künstliche Intelligenz und wie können wir sie am besten gestalten? Dazu waren wir mit dem grünen Team der Enquete-Kommission KI auf Tour in Baden-Württemberg unterwegs.

Bosch investiert in sichere, robuste und nachvollziehbare KI

Unsere erste Station war der Zentralbereich Forschung und Vorausentwicklung bei Bosch in Renningen. Weil Grundlagenforschung und industrielle Anwendungen im Bereich KI sehr eng beieinander liegen, hat man sich dort 2017 entschieden, die komplette KI-Forschung an einen Standort zu legen und das Bosch Center for Artificial Intelligence zu gründen. Stolz ist man bei Bosch vor allem auch auf die akademischen Partnerschaften, zum Beispiel mit dem Cyber Valley in Tübingen, der Universität Freiburg und weiteren. Dort finanziert Bosch Stiftungsprofessuren und profitiert auch selbst stark von der Zusammenarbeit. Zum einen, weil es durch die Kooperation für Bosch leichter ist Expertinnen und Experten im Bereich KI zu gewinnen, zum anderen, weil das Cyber Valley einen rechtlich klaren Rahmen bietet, um mit  anderen Unternehmen und Start-ups gemeinsam zu forschen. Für Bosch ist klar: Bei der Erforschung und Entwicklung von KI brauchen wir gemeinsame europäische Anstrengungen von Wissenschaft und Wirtschaft.

Für KI-Forschung braucht man Zugang zu Daten

An der Universität Freiburg präsentierte unsere Sachverständige Hannah Bast ihre Forschung zu Routenplanung. Ein Problem, mit dem sich Forscherinnen und Forscher in Deutschland herumschlagen müssen: Die meisten Mobilitäts- und Kartendaten sind nicht einfach öffentlich zugänglich, sondern müssen häufig mühsam zusammengesucht und teilweise sogar gekauft werden. In anderen Ländern hat es die Wissenschaft viel leichter an die benötigten Daten zu kommen. Auch die anderen Forschungsprojekte der Uni Freiburg gewährten einen Blick in zukünftige Anwendungsfelder von KI. Der Ethikroboter Immanuel soll lernen, ethische Entscheidungen zu treffen, so wie es Menschen tun – eine Veranschaulichung der gesellschaftlichen Debatte um Ethik in der KI. Ein anderer Roboter lässt sich von Menschen ganz schnell und einfach aus dem Weg schubsen. Eine Eigenschaft, die besonders im Krankenhaus oder auf der Pflegestation hilfreich sein kann.

Spitzenstandorte wie das Cyber Valley setzen auf kluge Köpfe

Wie können wir Ökosysteme wie das Cyber Valley politisch unterstützen, in dem Grundlagenforschung und Anwendung zusammenkommen und das schon jetzt ein Leuchtturm für „AI made in Europe“ ist? Dieser Frage sind wir auf unserem dritten Stopp der KI-Tour in Tübingen auf den Grund gegangen. Einer der Gründe, warum das Cyber Valley ein Spitzenstandort der KI-Forschung ist, ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Neben Bosch engagieren sich im Cyber Valley zum Beispiel auch Daimler, BMW und Amazon. Im internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe punktet man insbesondere auch, indem man Spitzenforscherinnen und –forscher die Möglichkeit bieten kann, mit den besten auf ihrem Gebiet zusammen zu arbeiten. Deshalb ist es so wichtig, die besten KI-Standorte in Deutschland zu stärken und europäisch zu vernetzen. Am einfachsten gewinnt man Spitzenpersonal jedoch, wenn man sie früh überzeugen kann. Deshalb setzt das Cyber Valley klar auf die Nachwuchsförderung und hat eine angeschlossene Doktorandenschule.

KI-Systeme zum Wohl von Mensch und Umwelt einsetzen

All diese Facetten waren dann auch Thema unseres Stakeholder-Treffens in Stuttgart zum Abschluss. KI kann bereits gut Bilder und Sprache erkennen und sogar die kompliziertesten Spiele spielen, doch bei Robotern und Bewegung ist die Forschung noch nicht so weit. Doch genau daran arbeitet Sebastian Trimpe vom Cyber Valley. Für ihn ist KI ein Werkzeug, das wenn man es gut einsetzt, tolle Sachen erreichen kann. Armin Grunwald, Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), sieht das Besondere an KI darin, dass wir es hier mit einer Technik zu tun haben, die nicht bleibt, wie wir sie gemacht haben, sondern sich weiterentwickelt. Darin liegen große Potenziale, die wir nutzen sollten und auch große Verantwortung, der wir uns stellen sollten. So müssen sich bereits die Forscherinnen und Forscher über Fragen des ethischen Einsatzes und der Nachvollziehbarkeit automatischer Entscheidungen Gedanken machen. Eine Organisation, die KI-Systeme in sensiblen Bereichen zertifiziert, kann zudem Vertrauen in die Zukunftstechnologie schaffen.

Für uns Grüne ist klar: Wir wollen faire und transparente KI, die wir zum Wohl von Mensch und Umwelt einsetzen können. Dafür müssen wir aber auch in Europa bei der Entwicklung vorne mit dabei sein. Dann können wir selbst bestimmen, in welchen Bereichen und mit welchen Regeln wir KI einsetzen wollen.

 

Bei Bosch in Renningen auf der Dachterrasse.

 

An der Uni Freiburg wurde ein Roboter entwickelt, der sich von Menschen ganz einfach aus dem Weg schubsen lässt.

 

Roboter Apollo vom Cyber Valley kann Becher greifen und ineinander stecken.

 

Bei unserem Gespräch zu KI in Stuttgart haben wir diskutiert, wie wir KI am besten gestalten können.