Interview im Rundbrief 03/2016 des Kreisverbands

Liebe Anna, herzlichen Glückwunsch noch einmal zu deiner Nominierung als unsere Kandidatin im Wahlkreis 259 Stuttgart II. Wie fühlst du dich so kurz nach der Nominierung?

Ich freue mich sehr über das Vertrauen. Das ist ein toller Ansporn für das kommende Jahr. Ich möchte mich auch nochmal bei Viktoria für den fairen Wettbewerb bedanken. Ich bin sicher, dass es zusammen mit den vielen engagierten Grünen in Stuttgart ein spannender und toller Wahlkampf wird. Gleichzeitig habe ich auch den angemessenen Respekt vor der vor mir liegenden Aufgabe.

Erkläre doch nochmal kurz, was dich dazu motiviert, Bundestagsabgeordnete zu werden.

Ein Schlüsselerlebnis in der letzten Zeit war das Brexit-Votum. Ich fühlte mich so machtlos, mit ansehen zu müssen, wie die europäische Idee einer Friedens- und Wohlstandsgemeinschaft einer aggressiven und faktenfreien Stimmungsmache zum Opfer zu fallen droht.  Es war für mich eine letzte Mahnung, dieser Entwicklung konsequent eine optimistische Zukunftsperspektive entgegenzusetzen.

Die Frage, wie wir unsere Demokratie gut gestalten, treibt mich allerdings schon viel länger um; lange als Politikwissenschaftlerin an der Universität  – erst in Heidelberg, dann in der Schweiz. Ich bin aber in erster Linie ein politischer Mensch und möchte nun aktiv dazu beitragen, dass sich die politische Stimmungslage nicht weiter verschärft, sondern es uns gelingt, den gesellschaftlichen Zusammenhalt ins Zentrum zu rücken. Der Bundestag ist für mich der richtige Ort dafür.

Ein Bundestagsmandat wäre sicher ein Höhepunkt in deiner GRÜNEN Biographie. Aber wie war das denn am Anfang: Wie bist du überhaupt zu den GRÜNEN gekommen?

Ich bin ein klassischer Fall von grünem Elternhaus und Eintritt bei den GRÜNEN zu Beginn des Studiums. In Heidelberg bin ich 2003 zuerst bei der GRÜNEN Hochschulgruppe gelandet, habe dort die Leitung übernommen und erfolgreich als studentische Senatorin an der Universität Heidelberg kandidiert. Ich habe mich dann bis zu meinem Umzug in die Schweiz im Jahr 2008 auf allen Ebenen engagiert – vom Kreisvorstand bis zur Landesarbeitsgemeinschaft und hauptamtlich in zwei Wahlkämpfen. Ich habe diese Zeit als sehr intensiv und lehrreich in Erinnerung – weshalb ich das politische Engagement während meiner Zeit in der Schweiz auch sehr vermisst habe. Nicht zuletzt deshalb bin ich 2013 nach Stuttgart gekommen, um wieder selbst politisch aktiv sein zu können.

Welches sind deine politischen Herzensthemen und welche persönlichen Schwerpunkte würdest du gerne im Wahlkampf setzen?

Ich möchte für eine gerechte und partizipative Demokratie eintreten. Wir GRÜNE haben hier in Baden-Württemberg gezeigt, wie man Politik mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam gestaltet. Diese Haltung vermisse ich bei der aktuellen Bundesregierung. Gerade in der derzeitigen politischen Stimmung müssen wir den Menschen zeigen, dass wir sie ernst nehmen. Eine spürbare Ausweitung an Anhörungen, Konsultationen und Bürgerdialogen halte ich für einen wichtigen Schritt, um Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. Die Forderung nach mehr Demokratie dürfen wir nicht den Populisten überlassen.

Und jetzt eher generell: Welche Themen sind deiner Meinung nach diejenigen, mit denen wir Wählerinnen und Wähler erreichen und sie auch davon überzeugen können, uns GRÜNE zu wählen?

Wir GRÜNE haben einen starken und unverwechselbaren Markenkern, den die Menschen schätzen. Neben der Bürgerbeteiligung sind das die Ökologie, die Gerechtigkeit und die Humanität. Diese Werte stehen in der Summe für eine optimistische Zukunftsperspektive, die wir überzeugender als andere Parteien vertreten können. Durch die ökologische Modernisierung schaffen wir die Lebensgrundlage kommender Generationen. Und wir wissen, dass unsere Gesellschaft nur dann die notwendigen Innovationen hervorbringen kann, wenn wir dabei Niemanden zurücklassen oder ausgrenzen. Im Wahlkampf müssen wir den Menschen deutlich machen, dass wir die Einzigen sind, die diese klare Haltung konsequent vertreten und nicht irgendwelchen rechten Parolen hinterherlaufen.

Für einen guten Wahlkampf brauchen wir viele aktive Mitglieder. Welche Ideen hast du, um sie in den Wahlkampf mit einzubinden?

Am wichtigsten ist mir natürlich, dass wir alle Ideen für einen erfolgreichen Wahlkampf einsammeln – es ist ja bereits ein Workshop dazu angedacht. Wichtig ist mir aber auch der regelmäßige direkte Austausch. Bereits im Vorfeld der Nominierung war ich in den Ortsverbänden unterwegs, um direkt im Gespräch zu hören, was die brennenden Themen vor Ort sind. Das möchte ich im kommenden Jahr weiterhin regelmäßig tun. Gerade im Nordwahlkreis sind wir leider noch nicht überall so mitgliederstark, wie wir unserem Erfolg in der letzten Landtagswahl entsprechend sein sollten. Hier möchte ich auch die Dynamik der anstehenden Wahl nutzen, um neue aktive Mitglieder zu gewinnen.

Stell dir vor, du hättest politische Superkräfte und könntest ganz allein ein Gesetz oder eine politische Maßnahme auf dem Weg bringen. Welche(s) wäre das?

Eine hohe Priorität hätte für mich die Erhöhung der Bildungsausgaben, insbesondere für politische Bildung. Bildung ist für mich die Grundlage für soziale Gerechtigkeit und Partizipation. Wir wären einen großen Schritt weiter, wenn die Zukunftschancen unserer Kinder nicht mehr so stark vom Elternhaus abhängen würden. Und die Einführung der bundesweiten Volksinitiative schummele ich jetzt hier mal noch als zweites Wunschprojekt mit unter. Sie wäre das richtige Signal zur richtigen Zeit.

Jetzt gewähre uns doch noch einen kleinen Einblick in dein Privatleben: Was machst du am liebsten, um dich von einem langen Arbeitstag oder einen langen Arbeitswoche zu entspannen?

Als Mutter eine vierjährigen Tochter ist die Frage nicht schwer zu beantworten: Ich verbringe natürlich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie. Aber ab und zu ins Theater oder Konzert muss auch unbedingt drin sein. Das ist mir schon deshalb wichtig, um neuen Input zu bekommen und sich nicht immer nur im gleichen eigenen Kosmos zu bewegen.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Wahlkampf mit dir.

 

Dieses Interview ist im Rundbrief 03/2016 der Stuttgarter GRÜNEN erschienen und kann hier abgerufen werden.