Fachgespräch: AI made in Europe. Ecological, fair, inclusive.

Wir wollen mit künstlicher Intelligenz soziale und ökologische Probleme lösen und dabei universelle Rechte und Freiheiten wahren. Damit das gelingt, braucht es europäische Zusammenarbeit. Nur gemeinsam können wir die globale  Entwicklung mitgestalten. Wie diese Vision Wirklichkeit werden kann, haben wir  am 29. Januar in unserem  Fachgespräch „AI made in Europe: Egological, fair, inclusive“ thematisiert. Prof. Dr. Cédric Villani, Autor der französischen KI-Strategie, und Prof. Dr. Bernhard Schölkopf, Direktor des Tübinger Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme haben uns dazu viele spannende Anregungen gegeben.

Die öffentliche Veranstaltung fand als grüner Stakeholder-Dialog im Zuge der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ des Bundestages statt. Anna Christmann und Dieter Janecek moderierten.

Transparenz und Gemeinwohl als Grundprinzip

„Die Anwendung künstlicher Intelligenz im öffentlichen Raum kann nur ethisch sein, wenn sie im öffentlichen Interesse liegt und für alle transparent ist“, so Villani sinngemäß. Es sollte nicht darum gehen, den Menschen schrittweise zu ersetzen, sondern viel mehr die Fähigkeit der Kollaboration zwischen Menschen zu erweitern.

KI-Technologien können helfen, den Klimawandel aufzuhalten und zur Energiewende beitragen. Wie in vielen anderen Bereichen komme es darauf an, die Komplexität des Themas zu begreifen, um durch Ressourcen- und Energieverbrauch nicht unabsichtlich das Problem zu verstärken. Hier müssten Umwelt- und Technologiesektor wieder zueinander finden, die oft noch fälschlicherweise als Gegenspieler wahrgenommen werden.

Verantwortung und Sensibilisierung

Mit lernenden Systemen stelle sich auch die Frage einer graduellen Verschiebung von Verantwortung auf eine größere Gruppe von Personen und Maschinen. Das bringe neue Fragestellungen wie die nach programmierter Ethik mit sich. „Vielleicht kommen wir an einen Punkt, an dem Maschinen ethisches Handeln an Beispielen erlernen werden“, gab Bernhard Schölkopf zu bedenken. Gerade die Fortschritte der künstlichen Intelligenz hätten gezeigt, dass sich die Festschreibung zu exakter Regeln wenig Erfolg verspreche. Umso wichtiger sei ihm, dass die Technologie von denen entwickelt werde, die „unsere Werte teilen“.

Die technischen Fortschritte entwickelten sich schnell, der Gesetzgebungsprozess sei langsam. Deshalb muss die wissenschaftliche Gemeinschaft verstärkt „Antennen“ für unmoralisches Handeln entwickeln, um Risiken in der Entwicklung frühzeitig abzumildern.

Datenschutz und Datensätze

Europas Strategie müsse nicht auf einer Sammelwut personalisierbarer Daten aufbauen, versicherte Cédric Villani. Zwar sei die Genauigkeit neuronaler Netze durchaus von der Größe der Datensätze abhängig, doch komme es hier vor allem auf ausgewogene und repräsentative Trainingsdaten an, um keine Diskriminierung festzuschreiben, so Schölkopf.

Ein vielversprechender Ansatz sei die Schaffung offener Datensätze in einzelnen Anwendungsdisziplinen, um beispielsweise im Gesundheitsbereich eine datenschutzkonforme aber nicht weniger nützliche Ausgangslage zu schaffen, umriss Villani. Im gleichen Zug könnten die Zustimmungspflichten und freiwillige Datenspenden besser angelegt werden, um Nutzenden größere Transparenz und Entscheidung über die Verwendungszwecke ihrer Daten zu geben.

Europäische Kooperation als Schlüssel für den Erfolg

Das kann nur europäische Zusammenarbeit sicherstellen, waren sich die Gäste einig. Allein wegen der großen nationalen Märkte Chinas und der USA, könne man nur europäisch die Entwicklung der „Universaltechnologie Künstliche Intelligenz“ mitgestalten und so die Werte freier und offener Gesellschaften wahren.

Europa sei in der KI-Forschung weiterhin führend, doch mangele es an der öffentlichen Wahrnehmung europäischer Anwendungen. Der Wechsel von Fachkräften zwischen Wissenschaft und Industrie könne hier helfen, bisher sei dieser Austausch aber zu einseitig. In puncto Ergonomie und Bedienbarkeit gebe es weltweit führende europäische Produkte, die nur weniger bekannt seien, so Villani zu einem Vertreter eines Sehbehindertenverbandes.

In der deutschen KI-Strategie findet sich wenig zur europäischen Zusammenarbeit – und auch die globale Erwärmung wird bisher kaum thematisiert. Ganz anders als in der französischen, die dem Thema Klimaschutz ein eigenes Kapitel widmet und auf der die Sterne Europas prangen.

Anna Christmann und Dieter Janecek zeigten den grünen Weg zu „AI made in Europe“ auf, den die Bundestagsfraktion auch bereits in ihrem Antrag in den Bundestag eingebracht hat. In dem Antrag fordern wir einen globalen KI Gipfel und machen konkrete Vorschläge, um die europäische Forschung zu stärken und dringend benötigte Talente anzuziehen. Außerdem wollen wir, nachhaltige Innovationen fördern, den Zugang zu Daten durch Open Data und Datenspenden verbessern, diskriminierungsfreie und transparente KI-Systeme fördern und einen echten Dialog mit der Gesellschaft über KI führen.